Eisenbahninfrastruktur in Münster – Neuigkeiten von 2005

Dies ist ein Artikel aus der Serie “Die Güterumgehungsbahn Münster” von Christian Treber.

Google sei Dank bin ich auf die Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaft der Stadt Münster vom 16.06.2005 gestoßen.

Das klingt bisher mäßig spannend; aber Punkt 7.8 der Tagesordnung “Das Schienengüterverkehrsnetz in Münster – Sachstandsbericht zur aktuellen Entwicklung” klingt interessant, und dort besonders die Berichtsvorlage von Frau Dr. Kreft-Kettermann (2014: Abteilungsleiterin bei der Stadt Münster für Stadt- und Regionalentwicklung, Statistik) vom 18.05.2005.

Der Text und die Anlage (PDF) kann heruntergeladen werden. Da das Link dynamisch und auf die Web-Session bezogen ist, bitte den oben angegebenen Link auf Punkt 7.8 der Tagesordnung verwenden, und dann die Berichtsvorlage auswählen.

Der Bericht an sich ist pro-Bahn, im wirtschaftlich vernünftigen Rahmen. Hier eine Zusammenfassung mit meinen Kommentaren (markiert mit “CT: “), die das eher trübe Bild von 2014 reflektieren.

Besitzer von Eisenbahn-Infrastruktur in Münster sind:

  • DB AG, also die Deutsch Bahn
  • Westfälischen Landes-Eisenbahn (WLE)
  • Städtische Industriestammgleise
  • Gleisanschlüsse im Eigentum Dritter

Nachfolgend Informationen zur den einzelnen Anlagen

Güterumgehungsbahn (DB)

  • Benutzt von Ganzzügen im sog. hochwertigen Güterverkehr aus Süddeutschland und dem Rhein-Ruhr-Raum in Richtung Hamburg
  • Täglich 20 Fahrten, hinzu kommen noch sog. dispositive Fahrten
    CT:  Das könnte auch 2018 so stimmen.
  • Ab 2015 hätte die GUB wegen des Ausbaus anderer Strecken obsolet werden können; dies ist auf absehbare Zeit jedoch nicht mehr der Fall
    CT: Die GUB wird auch in 2018 noch genutzt und wurde Ende 2017/ Anfang 2018 renoviert.

Westfälische Landes-Eisenbahn (WLE)

 

Anschluss Sauerstoff-Werk Westfalen AG an die WLE-Strecke nach Neubeckum
Anschluss Sauerstoff-Werk Westfalen AG – Tor zum Werksgelände
  • Im Streckenabschnitt Münster – Neubeckum seit 1995 im sog. im Auslaufbetrieb
    CT: Die Strecke ist marode und erfordert eine geländegängige Lok sowie einen seefesten Lokführer ;-). Manche der Holzschwellen kann man mit dem Finger durchbohren. Es wird allerdings über eine Reaktivierung für den Personenverkehr nachgedacht, die wohl nicht ganz billig werden dürfte. 2018: Mehr als nachgedacht; die Reaktivierung ist für 2023 geplant.
  • Eisenbahngüterverkehr bis zum Jahr 2008 zugesichert
  • Anschlüsse:
    • Sauerstoffwerk Westfalen AG
      CT: Die Westfalen AG in Gremmendorf wird noch bedient, aber das Werk schließt bald, womit auch der Anschluss obsolet wird (Stand 2018; siehe auch Bilder oben von 2013)
    • Pebüso
      CT: Die Produktion von Pebüso in Münster ist nicht mehr am Stadthafen II angesiedelt (siehe auch Stadthafen II weiter unten)
    • Teerbau
      CT: 2018 am Höltenweg, aber nicht (mehr) in WLE-Nähe
    • Rhenus
      CT: Am Stadthafen I
    • VTG Lenkering
      CT: Am Stadthafen I
    • Stadtwerke Münster
      CT: Die Stadtwerke Münster am gleichen Hafen werden wohl nicht mehr bedient (siehe auch Stadthafen I weiter unten)
    • periodische Militärverladungen
      CT: Seit die Briten weg sind dürfte auch an der Panzerrampe in der Loddenheide nicht viel los sein (Update: der Anschluss zur WLE-Strecke existiert nicht mehr seit ca. 2016; siehe auch vorher/nachher-Foto unten)
    • Halle Münsterland (Eisenbahn-Messe)
      CT: Gleise zur Halle Münsterland gibt es nicht mehr (in der Nähe der Hallen schon). Für die Messen wird jetzt der Ostbahnhof an der Lippstädter Straße genutzt.
  • Ihr Erhalt ist insbesondere im Stadtgebiet Münster bis auf weiteres sicherzustellen

Umschlagterminal Münsterland (Containerverladung)

Umschlagterminal Münsterland (Containerverladung) – Wärterhäuschen
Umschlagterminal Münsterland (Containerverladung) – Blick nach Norden
Umschlagterminal Münsterland (Containerverladung) – Blick nach Süden, zum Wärterhäuschen hin

CT: Wo? An der Siemensstraße, südöstlich vom Güterbahnhof Münster, anfangs parallel zur Industriestammgleis Robert-Bosch-Straße (siehe unten).

  • Die Infrastruktur wird derzeit über die Spedition Sander unterhalten und gesichert
    CT: Das Gebäude der Containerverladung sieht verwaist aus, der Schriftzug ist beschädigt. Anfang 2018 war eine Scheibe an der Tür eingeschlagen. Hier parken öfters Laster, Anhänger und Sonderfahrzeuge der DB. Auch bei Gleisarbeiten wird das Gelände genutzt, z.B. für das Beladen und Entladen von Bauzügen mit Schotter, Schwellen etc.

Industriestammgleis Höltenweg

Anschluss Höltenweg, südlich des Kesslerwegs. Das ganz linke Gleis kommt von der GUB.
Anschluss Höltenweg, nördlich des Kesslerwegs. Das rechte Gleis führt zur GUB.

CT: Wo? Westlich des Höltenwegs. Das ist der “Frugenta”-Anschluss an die Güterumgehungsbahn (Bf Kanal).

  • Im direkten Eigentum der Stadt Münster
  • Die DB Netz AG den Gleisanschlussvertrag zum 30.09.2000 gekündigt
  • Anschlussweiche zurückgebaut, Industriestammgleis Höltenweg deaktiviert
    CT: So ist es; keine Verbindung mehr zur GUB; die Gleise werden zum typischen EBBW (ex-Bahn Birkenwäldchen).

Industriestammgleis Robert-Bosch-Straße

Industriestammgleis Robert-Bosch-Straße, südlich des Bahnübergangs
Industriestammgleis Robert-Bosch-Straße, Nähe Firma Kiffe Waggonbau

CT: Wo? An der Robert-Bosch-Straße, südöstlich vom Güterbahnhof Münster, anfangs parallel zum Gleis für das Umschlagterminal Münsterland (siehe oben).

  • Im direkten Eigentum der Stadt Münster
  • Firma Kiffe Waggonbau an der Siemensstr. 4, die Waggons zur Reinigung, Wartung und Reparatur erhält, nutzt das Gleis
    CT: Etliche Gleise im Süden sind verschwunden; der Anschluss zur Firma Kiffe wird auch 2018 noch genutzt.

Stadthäfen I und II Gleisanlagen

Südufer des Stadthafens I, Blick nach Osten vom Ende des Hafenbeckens aus
Anschlussgleis der Stadtwerke Münster am Stadthafen I
Pebüso-Gelände nördlich des Stadthafens II, Blick vom Albersloher Weg

CT: Wo? Anschluss an den Güterbahnhof (Hauptbahnhof?) Münster.

  • Im Eigentum der Stadtwerke Münster GmbH bzw. unter städtischer Beteiligung
  • Im Stadthafen I findet derzeit Schienengüterverkehr (1990 1114 Waggons, 401 Waggons 1996, 244 Waggons 2001, 174 2003 zurück)
    CT: In 2014 dürften es 0 Waggons gewesen sein.
  • Nach Fertigstellung der GuD-Anlage (Ende 2005/ Anfang 2006) wird sich das Transportaufkommen voraussichtlich weiter verringern
    CT: Das ist wohl so passiert.
  • Die Gleise im Stadthafen II werden derzeit nicht genutzt. Perspektivisch ist eine Deaktivierung zu prüfen.
    CT: Gepflegt wird jedenfalls nichts mehr.

Gleisanlage im Gewerbegebiet Loddenheide/ Verladerampe

CT: Wo? Anschluss an die WLE-Strecke Münster-Neubeckum, direkt nach der Überquerung der B51.

  • 2003 in das Eigentum der Bundesfinanzverwaltung übergegangen
  • Panzerverladerampe wird derzeit von den britischen Streitkräften genutzt
    CT: Wegen Abzug der Briten nicht mehr. Der Anschluss an die WLE-Strecke wurde zwischen 2012 und 2016 abgebaut; die Weiche ist noch vorhanden. Auf dem Gelände der Rampe hinauf zur WLE-Strecke befindet sich heute eine Mercedes Benz-Niederlassung. Die Verladerampe und Gleis-Schleife in der Loddenheide existieren in 2018 noch.

Nebengleisanschluss Meßkamp/ Nienkamp

Ehemaliger Anschluss Meßkamp/ Nienkamp (2014; mittlerweile komplett samt Weiche abgebaut)

CT: Wo? Anschluss an die Strecke Münster-Rheine, am Nordende von Münster Zentrum Nord.

  • Im Eigentum der RWE AG
  • Ein Seitenstrang zwischen den Straßen Meßkamp und Nienkamp verläuft auf städtischem Grundstück. Dieses Gleis wird von der RWE, ehemals VEW, nicht mehr genutzt.
    CT: Nicht mehr angeschlossen und komplett zurückgebaut.
  • Die DB AG hat einen kompletten Rückbau der Gleise wegen der enormen Unterhaltungsaufwendungen nahegelegt. Die RWE hat zugesichert, den Rückbau der Gleise zu organisieren.
    CT: Das ist passiert.
  • Die Gleisfläche soll möglichst als Radweg ausgebaut werden, so dass eine durchgehende Radwegeverbindung von der Gasselstiege (YorkCenter) entlang des Germania-Geländes durch den nördlichen Wienburgpark bis zum Zentrum Nord entsteht.
    CT: Das ist passiert.

Pläne

Zu dem oben erwähnten Bericht gibt es einen Plan “Anlage 1 – Das Schiengüterverkehrsnetz in Münster – Bestand und Planung.pdf”. Ich werde versuchen eine Erlaubnis zur Veröffentlichung zu bekommen. Bis dahin beschreibe ich die Lokalitäten rein textlich.

Industriegebiet Nord-Hessenweg

CT: Wo? Abzweig aus Süden Richtung Osten an der Zentraldeponie vorbei über den Kanal, zwischen Coerde im Süden und Gelmer im Norden.  Schwer zu glauben, weil der Kanal mit einer neuen Brücke gequert werden müsste; die Strecke nach Osnabrück wäre auf der richtigen (Ost-) Seite des Kanals, aber dann wäre der Schiffahrter Damm zu queren.

  • Die Anbindung an die Bahnstrecke Münster – Rheine der DB Netz AG ist vorgesehen, das Planfeststellungsverfahren ist hier in Vorbereitung.
    CT: Nichts zu sehen davon. Und der Report stammt von 2005…

Industrie- und Gewerbepark Münster-Südwest in Amelsbüren

CT: Wo? Abzweig aus Norden Richtung Westen knapp nördlich der Kanalbrücke und der Wiedaustraße, an einem neuen Industriegebiet an der Strecke vorbei zum Hansa Business Park.

  • Ein Anschluss an die DB Bahnstrecke Münster – Dortmund ist vorgesehen
  • Die Realisierung dieser Maßnahme hängt neben dem Interesse von Firmen in hohem Maße von dem zweigleisigen Ausbau des Streckenabschnitts Münster – Lünen ab
    CT: Dieser Ausbau passiert partout nicht, seit bald 100 Jahren schon, wird aber von Münsteraner Politikern nachdrücklich gefordert, weil davon u.a. der Anschluss Münsters ans RRX-Netz (Rhein-Ruhr-Express) abhängt.

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